Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Berliner Senats (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend undFamilie, SenBJF) und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Berlin (Gewerkschaft Erziehung undWissenschaft, GEW Berlin) haben ein Partnerschaftsabkommen über Maßnahmen zur Verringerung der übermäßigen Belastung der beruflichen Tätigkeit von Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern in Schulen, die den Unterricht im «Ganztagsformat» durchführen, geschlossen. Das gemeinsam entwickelte und vereinbarte Maßnahmenpaket soll in diesem Bereich schrittweise ab dem Schuljahr 2026/2027 «eingeführt» werden.
Bemerkenswert ist, dass die genannte Vereinbarung ein reales Ergebnis langjähriger schwieriger Verhandlungen zwischen SenBJF und GEW Berlin ist, das auf einer gemeinsamen Initiative zur Suche nach praktischen Lösungen für Probleme an den Berliner Schulen beruht. Und davon gibt es viele. Eines der schwerwiegendsten Probleme ist die Personalkrise. Sie ergibt sich aus der hohen Verantwortung und der ständigen nervlichen Belastung der Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher, der Notwendigkeit, Unterricht bei offensichtlichem Lehrkräftemangel zu erteilen, sowie aus dem Missverhältnis zwischen dem Umfang der geleisteten Arbeit und der Vergütung.
Für Lehrkräfte sieht diese Vereinbarung folgende Änderungen vor:
- Reduzierung der Belastung für ältere Lehrkräfte. Ab Beginn des neuen Schuljahres erhalten Lehrkräfte, die 63 Jahre erreicht haben, eine zusätzliche Stunde zur 'Arbeitsentlastung'.
- Verstärkte Unterstützung der Lehrkräfte in der Anfangsphase der Schullaufbahn durch Schaffung neuer Stellen mit 'Doppelaufgaben' (oder 'Doppelstellen') und Verringerung der Gruppengrößen für Schulen «in schwierigen Verhältnissen». Dazu können gehören: Schulen in Verwaltungsbezirken mit ungünstigen sozialen und ressourcenmäßigen Bedingungen, Einrichtungen mit einer großen Zahl von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf, Schulen in abgelegenen Gebieten usw.
- Schwerpunkt auf der Digitalisierung der Bildung. In den Schuljahren 2026/2027 und 2027/2028 wird ein zusätzlicher Schultag vorgesehen, der der Entwicklung digitaler Kompetenzen an den Schulen gewidmet ist.
- Zeit für individuelle Arbeit mit Grundschulkindern. In den Grundschulen ist ein unterrichtsfreier Tag vorgesehen, um individuelle Gespräche mit Schülerinnen und Schülern über ihre Entwicklung zu führen.
- Mehr Zeit für die Arbeit mit Klassen in der Grundschule. Lehrkräfte der Grundschule und der unteren Stufen erhalten mehr Zeit für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Klassenleitungen.
- Garantie der Stabilität und Entwicklung der pädagogischen Teams. Es wird eine gemeinsame Vereinbarung getroffen, die darauf abzielt, die Schulen langfristig mit multiprofessionellen pädagogischen Teams auszustatten, die über den regulären Stellenplan hinausgehen.
Für pädagogische Fachkräfte, die in Vollzeit arbeiten, bedeutet die erzielt Vereinbarung unter anderem:
- zusätzliche Investitionen zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und der Qualität der Räumlichkeiten in schulischen Einrichtungen, die im Ganztagsbetrieb arbeiten;
- stärkere Einbindung der Koordinatorinnen und Koordinatoren für Erziehungsarbeit in die fachlichen Entscheidungen des pädagogischen Teams;
- Zur klareren Darstellung der Bildungsmission im Ganztagssystem ist die Umbenennung des Systems „Ergänzende Förderung und Betreuung, eFöB“ in „Bildung, Erziehung und Betreuung, BEB“ vorgesehen (Änderung der Bezeichnung von „Ergänzende Förderung und Betreuung“ zu „Bildung, Erziehung und Betreuung“);
- Ausarbeitung eines einheitlichen Regelwerks für Notfälle und Personalvertretung im Ganztagsbereich.
Zum erzielten Konsens zwischen SenBJF und GEW Berlin bemerkte die Senatorin Berlins für Bildung, Jugend und Familie Katharina Günther-Wünsch (Katharina Günther-Wünsch, Senatorin fürBildung, Jugend und Familie):
«Diese Vereinbarung ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass der Bildungsbereich für den Berliner Senat weiterhin von vorrangiger Bedeutung ist, selbst unter den Bedingungen begrenzter finanzieller Mittel. Trotz der gegenwärtigen Haushaltsschwierigkeiten tätigen wir gezielte Investitionen in konkrete Initiativen, die darauf abzielen, die Belastung des pädagogischen Personals und der erzieherischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erleichtern …»
Die vollständige Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen wird zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt etwa 32 Mio. Euro sowie fehlendes Personal in Höhe von rund 300 Stellen erfordern.
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